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Wirtschaft im Fokus
Folge 2222.06.20268:55 KI-vertont

China-Sanktionen, Dax-Newcomer Hochtief und KNDS-Einstieg des Bundes (22.06.2026)

Handelskrieg, Rüstung und Börsenrekorde: China verschärft den Konflikt mit den USA durch Sanktionen gegen 56 US-Firmen, während Asiens Märkte boomen und Deutschland tief in Rüstung und Energie investiert.

Themen

In dieser Folge

10
  1. 01

    Handelskonflikt: China verhängt Sanktionen gegen 56 US-Unternehmen

    Handelsblatt

    Im eskalierenden Technologie- und Handelsstreit zwischen den USA und China hat Peking Vergeltungsmaßnahmen gegen insgesamt 56 amerikanische Unternehmen eingeleitet. Das chinesische Handelsministerium setzte zehn mit dem US-Militär verbundene Firmen, darunter der Motorenhersteller Aveox sowie die Seltene-Erden-Produzenten MP Materials und USA Rare Earth, auf eine Exportkontrollliste, die den Verkauf von Dual-Use-Gütern an diese Unternehmen untersagt. Das Finanzministerium ergriff zusätzlich Maßnahmen gegen 46 weitere US-Firmen, indem es chinesischen Käufern den Import ihrer Produkte verbietet – mit Ausnahme von in China tätigen US-Kapitalgesellschaften.

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  2. 02

    Hochtief steigt erstmals in den Dax auf und verdrängt Porsche SE

    n-tv Wirtschaft

    Der Essener Baukonzern Hochtief ist ab sofort Mitglied des deutschen Leitindex Dax und zählt damit zu den 40 führenden börsennotierten Unternehmen Deutschlands, während die Porsche SE in den MDax absteigt. Der Aufstieg folgt einem bemerkenswerten Kursanstieg: Innerhalb eines Jahres hat sich die Hochtief-Aktie mehr als verdreifacht, angetrieben durch boomende Aufträge im Bau von KI-Rechenzentren, milliardenschwere Infrastrukturprogramme und steigende Verteidigungsausgaben weltweit. Das Unternehmen, das mehrheitlich dem spanischen Konzern ACS gehört, ist mit Töchtern wie Turner in den USA und Cimic in Australien global aufgestellt und beschäftigt rund 61.500 Mitarbeiter.

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  3. 03

    OHB und KKR platzieren Aktien für 879 Millionen Euro zur Finanzierung von Wachstum und Teilausstieg

    Manager Magazin

    Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB gibt neue Aktien aus und nimmt gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR insgesamt 879 Millionen Euro ein, wobei 510 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung direkt an OHB fließen und für Übernahmen sowie Investitionen in Produktion und Trägerraketen im Zuge der Konsolidierung des europäischen Raumfahrtmarkts genutzt werden sollen. Die verbleibenden rund 368 Millionen Euro realisiert KKR durch den Verkauf eines Teils seiner Anteile, womit der Finanzinvestor seinen Einstiegspreis von vor zwei Jahren bereits deutlich übertrifft und seine Beteiligung von 29 auf gut 20 Prozent reduziert. Der Ausgabepreis von 300 Euro je Aktie liegt rund 25 Prozent unter dem zuletzt gehandelten Kurs, während der Streubesitz durch die Transaktion von 5,7 auf bis zu 19,2 Prozent steigt.

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  4. 04

    Bund steigt mit 40 Prozent beim deutsch-französischen Panzerhersteller KNDS ein

    Handelsblatt

    Die Bundesregierung übernimmt 40 Prozent der Anteile am deutsch-französischen Panzerhersteller KNDS, um nationale Sicherheitsinteressen, technologische Souveränität und industrielle Wertschöpfung zu stärken. Der Einstieg soll über die staatliche Förderbank KfW abgewickelt und anschließend vom Bundeswirtschaftsministerium verwaltet werden, wobei der Haushaltsausschuss des Bundestags bereits am kommenden Mittwoch darüber abstimmen soll. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte, dass Deutschland und Frankreich künftig gleichberechtigt über die Entwicklung des für die europäische Verteidigungsfähigkeit zentralen Unternehmens entscheiden werden.

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  5. 05

    KI-Boom und US-Iran-Gespräche treiben Asiens Börsen – Nikkei auf Rekordhoch

    Handelsblatt

    Die asiatischen Aktienmärkte haben zum Wochenstart deutlich zugelegt, angetrieben von Hoffnungen auf Fortschritte bei den Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran sowie einem anhaltenden KI-Boom. Der japanische Leitindex Nikkei stieg um 1,4 Prozent auf 72.247 Punkte und übersprang damit erstmals die Marke von 72.000 Zählern, während der südkoreanische Leitindex dank starker Nachfrage nach Halbleiterwerten sogar um 2,6 Prozent zulegte. In China hielt die Zentralbank die Leitzinsen zum 13. Mal in Folge unverändert, was darauf hindeutet, dass die Währungshüter trotz anhaltender Immobilienkrise keine weiteren geldpolitischen Lockerungen planen.

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  6. 06

    Bundeswirtschaftsministerin Reiche baut Energie- und Rohstoffpartnerschaft mit der Türkei aus

    n-tv Wirtschaft

    Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat bei einem zweitägigen Besuch in Ankara die Vertiefung der deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen vorangetrieben, mit besonderem Fokus auf Energie und kritische Mineralien. Anlass ist die globale Energieunsicherheit nach der Schließung der Straße von Hormus, auf die beide Länder mit einer Erweiterung ihrer seit 2012 bestehenden Energiepartnerschaft reagieren wollen. Heikle innenpolitische Themen wie die Repressionen gegen die türkische Opposition wollte Reiche zwar ansprechen, jedoch nicht öffentlich vor laufenden Kameras.

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  7. 07

    Chinas unterbewerteter Yuan kostet Deutschland bis 2028 rund 43 Milliarden Euro

    n-tv Wirtschaft

    Eine vom Auswärtigen Amt geförderte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass Chinas staatlich gesteuertes Währungsmanagement die deutsche Wirtschaft massiv schädigt: Bei einer fairen Bewertung des Yuan könnte das deutsche BIP im Jahr 2028 um bis zu 0,3 Prozent höher ausfallen, was kumuliert über die Jahre 2026 bis 2028 rund 43 Milliarden Euro entspricht. Die künstliche Unterbewertung verbilligt chinesische Exporte, verteuert Importe und hat das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China im Jahr 2025 auf rund 90 Milliarden Euro anwachsen lassen. IW-Experte Jürgen Matthes fordert daher europäische Ausgleichszölle, um faire Wettbewerbsbedingungen herzustellen, und betont, dass eine Aufwertung des Yuan langfristig auch der chinesischen Binnenwirtschaft zugutekäme.

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  8. 08

    China verhängt Exportkontrollen gegen US-Rüstungsunternehmen als Vergeltungsmaßnahme

    n-tv Wirtschaft

    China hat Exportkontrollen gegen zehn US-Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung und seltene Erden eingeführt, darunter Aveox, Oshkosh Defense sowie die Rohstoffproduzenten MP Materials und USA Rare Earth. Gleichzeitig untersagte das chinesische Finanzministerium staatlichen Behörden den Kauf von Produkten 46 amerikanischer Konzerne, darunter Lockheed Martin, Raytheon und die Verteidigungssparte von Boeing. Peking reagiert damit auf die Einstufung chinesischer Unternehmen wie Alibaba, Baidu und BYD als Unterstützer des chinesischen Militärs durch das US-Verteidigungsministerium, die China als 'unerhört' bezeichnete.

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  9. 09

    Riese und Müller setzt auf leichtes E-Stadtrad und eigene Hausmesse statt Eurobike

    FAZ Wirtschaft

    Der hessische Premium-E-Bike-Hersteller Riese und Müller präsentiert mit dem neuen Modell Veya ein besonders leichtes elektrisches Stadtrad, das lediglich 20 Kilogramm wiegt und damit deutlich leichter ist als das bisherige Vorgängermodell Nevo mit rund 28 Kilogramm. Das Unternehmen setzt dabei auf eine eigene Hausmesse anstelle einer Präsenz auf der Eurobike. Im E-Bike-Markt werden damit nach Tourenrädern, Mountainbikes und Gravelbikes nun leichte Stadträder als neues Segment in den Fokus gerückt.

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  10. 10

    Handelsstreit: China verhängt Gegensanktionen gegen 56 US-Unternehmen

    FAZ Wirtschaft

    Im eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China hat Peking neue Sanktionen gegen insgesamt 56 amerikanische Unternehmen verhängt. Das chinesische Handelsministerium bezeichnete die Maßnahmen als Reaktion auf das 'inakzeptable Vorgehen der US-Regierung', die ihrerseits vor zwei Wochen chinesische Firmen auf eine Sanktionsliste gesetzt hatte. Beobachter gehen dennoch bislang nicht davon aus, dass die gegenseitigen Schritte die bilateralen Beziehungen nachhaltig verschlechtern werden.

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FAQ

Häufige Fragen

Welche konkreten Auswirkungen haben Chinas Sanktionen gegen 56 US-Unternehmen auf deutsche B2B-Lieferketten?

Deutsche Unternehmen, die auf Dual-Use-Güter oder Seltene Erden aus China angewiesen sind, müssen mit Engpässen rechnen, da chinesische Lieferanten nun auch indirekt betroffene US-Partner meiden könnten. Besonders kritisch ist die Listung von Seltene-Erden-Produzenten wie MP Materials, da diese Rohstoffe für Elektromotoren, Windkraftanlagen und Rüstungsgüter unverzichtbar sind. B2B-Entscheider sollten ihre Lieferantenstruktur auf Abhängigkeiten von sanktionierten US-Firmen prüfen und Alternativen identifizieren.

Was bedeutet der Dax-Aufstieg von Hochtief für institutionelle Investoren und den Bausektor?

Mit der Aufnahme in den Dax wird Hochtief für indexgebundene Fonds und institutionelle Investoren automatisch kaufpflichtig, was die Aktie weiter stützen dürfte. Der Kursanstieg von über 300 Prozent innerhalb eines Jahres spiegelt die strukturell steigende Nachfrage nach Bau- und Infrastrukturleistungen wider – insbesondere durch KI-Rechenzentren und Verteidigungsinvestitionen. Für B2B-Partner im Bau- und Infrastruktursektor signalisiert dies anhaltend hohe Auftragsvolumina und eine gestärkte Verhandlungsposition von Hochtief.

Warum liegt der OHB-Ausgabepreis 25 Prozent unter dem Marktkurs, und welches Signal sendet das an Investoren?

Der Abschlag ist bei großvolumigen Kapitalerhöhungen üblich, um institutionelle Investoren zur schnellen Zeichnung zu bewegen und die Platzierung zu sichern. Für bestehende Aktionäre bedeutet dies eine kurzfristige Verwässerung, während die frischen 510 Millionen Euro OHB strategische Übernahmen und den Ausbau der Produktionskapazitäten im wachsenden europäischen Raumfahrtmarkt ermöglichen. Der gleichzeitige Teilausstieg von KKR mit deutlichem Gewinn bestätigt die Attraktivität des Sektors, mahnt aber zur Prüfung der künftigen Eigentümerstruktur.

Welche strategische Bedeutung hat der 40-Prozent-Einstieg des Bundes bei KNDS für die europäische Verteidigungsindustrie?

Durch die gleichberechtigte Beteiligung neben Frankreich sichert Deutschland direkten Einfluss auf Entwicklung und Produktion zentraler Waffensysteme wie des Leopard-Nachfolgers MGCS und verhindert einseitige industriepolitische Entscheidungen des Partners. Der Einstieg über die KfW signalisiert, dass der Staat Rüstung künftig als strategische Infrastruktur begreift und bereit ist, erhebliche Haushaltsmittel einzusetzen. Für Zulieferer und Technologiepartner im Verteidigungsbereich erhöht dies die Planungssicherheit bei langfristigen Entwicklungsprogrammen.

Was signalisiert der Nikkei-Rekord und die unveränderte chinesische Geldpolitik für globale B2B-Investitionsentscheidungen?

Der Rekordstand des Nikkei, getrieben durch KI-Nachfrage und geopolitische Entspannungssignale, deutet auf anhaltend hohe Investitionsbereitschaft in Technologie- und Halbleiterwerte hin – ein positives Signal für Ausrüster und Zulieferer dieser Branchen. Die unveränderten chinesischen Leitzinsen trotz Immobilienkrise zeigen, dass Peking keine kurzfristige Konjunkturstimulierung plant, was die Binnennachfrage gedämpft hält und Exporteure mit China-Exposure belasten könnte. B2B-Entscheider sollten ihre Asien-Strategie differenziert betrachten: Japan und Südkorea bieten derzeit günstigere Wachstumsperspektiven als der chinesische Markt.

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Hallo, hier ist Leo von Wirtschaft im Fokus. Heute schauen wir auf eine Woche, die von zwei großen Themen geprägt wird: dem anhaltenden Handelskonflikt zwischen den USA und China auf der einen Seite, und auf der anderen Seite einem bemerkenswerten Rüstungs- und Technologieboom, der die Märkte und die deutsche Wirtschaftspolitik gerade spürbar umformt. Dazu gibt es noch einige interessante Einzelmeldungen, die ich einordnen möchte. Fangen wir mit dem Handelskonflikt an, denn der hat sich in den vergangenen Tagen wieder deutlich zugespitzt. Peking hat Sanktionen gegen insgesamt 56 amerikanische Unternehmen verhängt. Das klingt nach einer langen Liste, und die ist es auch. Betroffen sind vor allem Firmen aus dem Rüstungsbereich und aus der Rohstoffbranche, konkret aus dem Bereich seltene Erden. Unternehmen wie Lockheed Martin, Raytheon und die Verteidigungssparte von Boeing dürfen künftig keine Produkte mehr an chinesische staatliche Stellen verkaufen. Und zehn weitere Firmen, darunter Hersteller von Motoren und Produzenten seltener Erden, wurden auf eine Exportkontrollliste gesetzt, was bedeutet, dass China ihnen keine sogenannten Dual-Use-Güter mehr liefern darf, also Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Was steckt dahinter? China reagiert damit auf einen Schritt der US-Regierung, die vor etwa zwei Wochen chinesische Unternehmen wie Alibaba, Baidu und BYD als Unterstützer des chinesischen Militärs eingestuft hatte. Peking nannte das damals schlicht unerhört. Jetzt folgt die Antwort. Interessant ist dabei, was Beobachter sagen: Sie gehen bislang nicht davon aus, dass diese gegenseitigen Maßnahmen die Beziehungen dauerhaft zerstören werden. Es ist eher ein Kräftemessen, ein gegenseitiges Signalisieren von Stärke. Aber natürlich ist das keine beruhigende Entwicklung, gerade für Unternehmen, die in beiden Märkten aktiv sind oder auf Lieferketten aus China angewiesen sind. Und das führt direkt zu einem zweiten Aspekt, der in diesem Zusammenhang wichtig ist: der unterbewertete chinesische Yuan. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, gefördert vom Auswärtigen Amt, rechnet vor, was Chinas Währungspolitik Deutschland kostet. Das Ergebnis ist beeindruckend, im negativen Sinne. Bis 2028 könnte der Schaden für die deutsche Wirtschaft kumuliert rund 43 Milliarden Euro betragen. Hintergrund ist, dass China seinen Yuan staatlich niedrig hält. Das verbilligt chinesische Exporte künstlich, macht Importe aus China günstiger als sie eigentlich sein sollten, und schadet damit deutschen Unternehmen, die im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stehen. Das Handelsbilanzdefizit Deutschlands mit China ist allein im Jahr 2025 auf rund 90 Milliarden Euro angewachsen. Die Forscher fordern daher europäische Ausgleichszölle, um wieder faire Wettbewerbsbedingungen herzustellen. Das ist eine Forderung, die politisch heikel ist, aber wirtschaftlich immer schwerer zu ignorieren wird. Kommen wir zu einem anderen großen Thema, das gerade viel Bewegung erzeugt: Rüstung und Verteidigung. Die Bundesregierung macht einen ungewöhnlichen Schritt. Sie steigt mit 40 Prozent beim Panzerhersteller KNDS ein, einem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen, das unter anderem den Leopard-Panzer und den französischen Leclerc produziert. Die Abwicklung soll über die staatliche Förderbank KfW laufen, verwaltet wird die Beteiligung dann vom Bundeswirtschaftsministerium. Der Haushaltsausschuss des Bundestags soll bereits in dieser Woche darüber abstimmen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat das klar begründet: Es geht um technologische Souveränität und darum, dass Deutschland und Frankreich gleichberechtigt über die Zukunft dieses für Europa strategisch wichtigen Unternehmens entscheiden können. Das ist ein deutliches Signal, dass der Staat in der Verteidigungsindustrie künftig eine aktivere Rolle spielen will. Und es passt in ein größeres Bild, das wir gerade beobachten: Rüstungsausgaben steigen weltweit, Europa investiert massiv in seine Verteidigungsfähigkeit, und das hat direkte Auswirkungen auf Unternehmen und Märkte. Das zeigt sich auch beim Dax-Aufsteiger Hochtief. Der Essener Baukonzern ist jetzt offiziell Teil des deutschen Leitindex und verdrängt dabei die Porsche SE in den MDax. Warum ist Hochtief so stark? Die Aktie hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht. Das liegt vor allem daran, dass Hochtief massiv vom Bau von KI-Rechenzentren profitiert, von milliardenschweren Infrastrukturprogrammen und eben auch von den gestiegenen Verteidigungsausgaben. Das Unternehmen ist mit Töchtern in den USA und Australien global aufgestellt und beschäftigt über 60.000 Menschen. Dass ein Baukonzern zum Dax-Aufsteiger des Jahres wird, hätte vor wenigen Jahren kaum jemand erwartet. Es zeigt aber sehr gut, wie stark die Nachfrage nach physischer Infrastruktur gerade ist, ob für KI, für Energie oder für Sicherheit. Ebenfalls interessant ist die Entwicklung beim Bremer Raumfahrtkonzern OHB. Das Unternehmen hat gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR eine Kapitalerhöhung durchgeführt und dabei insgesamt 879 Millionen Euro eingesammelt. Davon fließen 510 Millionen Euro direkt an OHB, für Übernahmen und Investitionen in Produktion und Trägerraketen. Der europäische Raumfahrtmarkt konsolidiert sich gerade, und OHB will dabei eine aktive Rolle spielen. KKR hat gleichzeitig einen Teil seiner Anteile verkauft und damit seinen Einstieg von vor zwei Jahren bereits deutlich übertroffen. Der Ausgabepreis lag zwar rund 25 Prozent unter dem zuletzt gehandelten Kurs, aber der Streubesitz steigt dadurch deutlich, was die Aktie für institutionelle Anleger attraktiver macht. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass Rüstung, Raumfahrt und Technologie gerade die Branchen sind, in denen das Geld fließt. Passend dazu: An den asiatischen Börsen war die Stimmung zu Wochenbeginn ausgesprochen gut. Der japanische Nikkei hat erstmals die Marke von 72.000 Punkten übersprungen, ein Rekordstand. Südkorea legte sogar noch stärker zu, getrieben von der Halbleiterbranche. Hintergrund sind Hoffnungen auf Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran sowie der anhaltende KI-Boom, der die Nachfrage nach Chips weiter antreibt. In China hat die Zentralbank die Leitzinsen zum 13. Mal in Folge unverändert gelassen. Das deutet darauf hin, dass Peking trotz der anhaltenden Immobilienkrise keine weiteren geldpolitischen Lockerungen plant, zumindest vorerst. Auf der außenwirtschaftlichen Seite war Wirtschaftsministerin Reiche auch in Ankara unterwegs. Sie hat dort die Energie- und Rohstoffpartnerschaft mit der Türkei ausgebaut. Hintergrund ist die globale Energieunsicherheit, die durch die Schließung der Straße von Hormus noch einmal verschärft wurde. Deutschland sucht aktiv nach alternativen Partnern für Energie und kritische Mineralien, und die Türkei spielt dabei eine wachsende Rolle. Innenpolitisch heikle Themen hat Reiche zwar nicht ausgeklammert, aber bewusst nicht vor laufenden Kameras angesprochen. Das ist eine pragmatische Haltung, die man teilen kann oder nicht, aber sie zeigt, wie stark wirtschaftliche Interessen gerade die außenpolitische Agenda prägen. Was bleibt als Gesamtbild? Wir sehen gerade eine Welt, in der Handelskonflikt, Technologieboom und Sicherheitspolitik eng miteinander verwoben sind. China und die USA liefern sich einen Sanktionswettbewerb, der die globalen Lieferketten weiter unter Druck setzt. Gleichzeitig profitieren Unternehmen aus Rüstung, Bau, Raumfahrt und Halbleitern von einer Nachfrage, die so stark ist wie seit Jahren nicht. Und Deutschland versucht, sich in diesem Umfeld neu zu positionieren, als Investor in Rüstungsunternehmen, als Energiepartner der Türkei und als Wirtschaftsstandort, der die Kosten des chinesischen Währungsmanagements nicht länger stillschweigend hinnehmen will. Das sind die Entwicklungen, die uns in den nächsten Wochen weiter beschäftigen werden. Heute haben wir gesehen, wie eng Handelskonflikt, Rüstungsboom und Technologieinvestitionen gerade zusammenhängen und warum das für Deutschland konkrete wirtschaftliche Konsequenzen hat. Morgen schauen wir wieder, was sich bewegt. Bis dann.

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