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Wirtschaft im Fokus
Folge 3713.07.202610:05 KI-vertont

Rüstungsboom, Investitionsstreik und Chinas Know-how-Sperre (13.07.2026)

Der Dax trotzt dem Tech-Crash in Asien, während Rüstungsstart-up Helsing mit 1,8 Milliarden Dollar zum 18-Milliarden-Unternehmen wird. Außerdem: Investitionsstreik im deutschen Mittelstand, Bankenstreit um Linde und Erdoğans Rüstungspoker.

Themen

In dieser Folge

10
  1. 01

    Dax behauptet sich trotz Tech-Crash in Asien, Ölpreise ziehen kräftig an

    Manager Magazin

    Der Dax gab zunächst nach, konnte sich aber am Montag stabilisieren und notierte leicht im Plus bei rund 25.100 Punkten, während in Asien vor allem der südkoreanische Kospi und der japanische Nikkei durch Gewinnmitnahmen bei Halbleiterwerten stark einbrachen. Auslöser der Unruhe waren erneute nächtliche US-Angriffe auf Iran, die die vierte Eskalationswelle im Nahostkonflikt darstellten und die Ölpreise wegen Sorgen um die Straße von Hormus deutlich in die Höhe trieben. Während Telekom, BASF und Rheinmetall zu den Dax-Gewinnern zählten, gerieten Infineon, Reise- und Luftfahrtwerte wie Tui und Lufthansa sowie Hellofresh, das ein Rekordtief markierte, unter Druck.

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  2. 02

    Helsing sichert sich Rekord-Finanzierung von 1,8 Milliarden Dollar

    Handelsblatt

    Die Münchener KI-Rüstungsfirma Helsing hat in einer neuen Finanzierungsrunde 1,8 Milliarden Dollar eingesammelt, wodurch ihre Bewertung um rund sechs Milliarden auf 18 Milliarden Dollar steigt. Damit übertrifft Helsing jedes andere europäische Rüstungs-Start-up und übernimmt zugleich von Neura Robotics den Titel des wertvollsten deutschen Start-ups. Die Summe stellt zudem einen neuen Rekord für deutsche Start-up-Finanzierungen dar und übertrifft den bisherigen Bestwert von Neura Robotics mit bis zu 1,4 Milliarden Dollar.

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  3. 03

    Daniel Stelter: Investitionsstreik am Standort Deutschland

    Handelsblatt

    Ökonom Daniel Stelter warnt vor einem massiven Investitionsstreik deutscher Unternehmen, der zusammen mit der demografischen Entwicklung die Wachstumsperspektiven Deutschlands stark eintrübt. Laut einer McKinsey-Studie liegen die produktiven Netto-Investitionen hierzulande nur noch bei 0,2 Prozent des BIP, während sie vor der Finanzkrise noch bei zwei Prozent lagen – im internationalen Vergleich etwa zu China mit 23 Prozent fällt Deutschland damit deutlich zurück. Als Ursachen nennt Stelter hohe Standortkosten von bis zu 250 Prozent gegenüber Wettbewerbern sowie extrem lange Genehmigungsverfahren, die in Deutschland rund 200 Tage dauern gegenüber 60 Tagen in den USA und 40 Tagen in China.

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  4. 04

    Türkische Rüstungsindustrie: Erdoğans Revolverpolitik

    FAZ Wirtschaft

    Die türkische Wirtschaft leidet. Die Inflation ist hoch, die Geldpolitik ist restriktiv. Nur die Verteidigungsindustrie boomt.

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  5. 05

    Rekordfinanzierung für KI-Start-up Recursive Superintelligence, SK Hynix debütiert an der Nasdaq

    Manager Magazin

    Das erst wenige Wochen alte KI-Start-up Recursive Superintelligence der deutschen Forscher Richard Socher und Tim Rocktäschel hat 650 Millionen Dollar von Investoren wie Google Ventures und Nvidia eingesammelt und wird mit 4,6 Milliarden Dollar bewertet, obwohl noch kein klares Geschäftsmodell existiert. Weitere Wirtschaftsnews des Tages betreffen Apollo, das überraschend Easyjet übernimmt und bei einem Bayer-Subunternehmen einsteigt, sowie den neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der mit umstrittenen Experten die US-Notenbank reformieren will. Zudem sorgte das Nasdaq-Debüt des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers SK Hynix für Aufsehen, während Gorillas-Gründer Kağan Sümer sein Gesundheits-App-Projekt Sugar bereits wieder einstellte.

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  6. 06

    Russland-Projekt: Streit um hunderte Millionen Euro – Deutsche Bank, HVB und Commerzbank verklagen Linde

    Handelsblatt

    Hintergrund ist ein geplatztes Russland-Projekt des Industriegase-Konzerns, für das mehrere deutsche Banken bürgten. Drei Institute fordern nun Geld von Linde zurück.

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  7. 07

    Investitionsbereitschaft im Mittelstand fällt auf historischen Tiefstand

    Handelsblatt

    Eine Umfrage von DZ Bank und BVR zeigt, dass nur noch 52 Prozent der deutschen Mittelständler planen, in den kommenden sechs Monaten in ihren eigenen Betrieb zu investieren – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 1995. Damit liegt die Investitionsbereitschaft sogar unter den Werten der Finanzkrise 2008/2009, der Coronapandemie und der Energiekrise nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Auch eine aktuelle KfW-Befragung bestätigt den negativen Trend, wonach lediglich 57 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich investiert haben.

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  8. 08

    Helsing sammelt 1,8 Milliarden Dollar ein und wird zum 18-Milliarden-Start-up

    FAZ Wirtschaft

    Der Münchner Drohnen- und Softwarehersteller Helsing hat in einer der größten Finanzierungsrunden für europäische Start-ups 1,8 Milliarden Dollar von Investoren wie JP Morgan Chase, Goldman Sachs Alternatives und dem kanadischen Pensionsfonds CCP Investments erhalten, wodurch die Bewertung des Unternehmens auf 18 Milliarden Dollar stieg. Helsing, das unter anderem die ukrainischen Streitkräfte mit Kamikazedrohnen belieferte und an Unterwasserdrohnen sowie einem unbemannten Kampfjet arbeitet, will die neuen Mittel vor allem in KI-Plattformen investieren. Trotz eines Rückgangs klassischer Rüstungsaktien wie Rheinmetall bleibt das Investoreninteresse an sogenannten „Neo Primes“ wie Helsing und dem bayerischen Start-up Quantum Systems ungebrochen hoch.

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  9. 09

    Handelskrieg: Peking verbietet chinesischen Firmen die Weitergabe von Know-how ins Ausland

    Zeit Wirtschaft

    Nach einem scheinbar versöhnlichen Treffen zwischen dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao und EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič in Brüssel, bei dem beide Seiten ausgewogenere Handelsbeziehungen und eine gemeinsame Beobachtungsstelle für Handelsströme ankündigten, zeigt sich nun ein anderes Bild. Die chinesische Regierung hat inländischen Unternehmen offenbar untersagt, wichtiges technologisches Wissen und Fertigungs-Know-how ins Ausland weiterzugeben. Diese Maßnahme dürfte die Spannungen zwischen Europa und China, die ohnehin durch massive Jobverluste in der europäischen Industrie belastet sind, weiter verschärfen.

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  10. 10

    SK Hynix startet mit Kurssprung an der Nasdaq, Bayer und VW enttäuschen Anleger

    Manager Magazin

    Der Dax schloss zum Wochenausklang leicht schwächer bei 25.067 Punkten und verzeichnete damit einen Wochenverlust von 2,8 Prozent, während in Asien der Börsengang von SK Hynix an der Nasdaq für Euphorie sorgte und die Aktie mit einem Kursplus von 14 Prozent startete. Bayer verlor trotz eines Milliardendeals mit Apollo zur Stärkung des Eigenkapitals rund 2 Prozent, und auch Volkswagen büßte ein, nachdem der Sparplan von Konzernchef Blume keine breite Unterstützung fand. Positiv entwickelten sich dagegen Salzgitter und die Deutsche Telekom nach Hochstufungen durch JPMorgan, während die Ölpreise angesichts anhaltender Spannungen im Nahen Osten moderat auf rund 76 Dollar je Barrel anzogen.

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FAQ

Häufige Fragen

Warum konnte sich der Dax trotz des Tech-Crashs in Asien stabilisieren?

Während asiatische Indizes wie der Kospi und der Nikkei wegen Gewinnmitnahmen bei Halbleiterwerten stark einbrachen, profitierte der Dax von Gewinnen bei Werten wie Telekom, BASF und Rheinmetall und notierte leicht im Plus bei rund 25.100 Punkten. Unter Druck standen dagegen Infineon sowie Reise- und Luftfahrtwerte wie Tui und Lufthansa.

Warum sind die Ölpreise zuletzt so stark gestiegen?

Erneute nächtliche US-Angriffe auf Iran als vierte Eskalationswelle im Nahostkonflikt schürten Sorgen um eine Blockade der Straße von Hormus, einer zentralen Route für den Öltransport, was die Preise deutlich nach oben trieb.

Wie viel Geld hat Helsing eingesammelt und welche Bedeutung hat das für den Standort Deutschland?

Die Münchener KI-Rüstungsfirma Helsing hat 1,8 Milliarden Dollar eingesammelt und wird nun mit 18 Milliarden Dollar bewertet – ein neuer Rekord für deutsche Start-up-Finanzierungen. Damit ist Helsing sowohl das wertvollste europäische Rüstungs-Start-up als auch das wertvollste deutsche Start-up insgesamt.

Was versteht Ökonom Daniel Stelter unter einem Investitionsstreik in Deutschland und wie begründet er ihn?

Stelter warnt, dass die produktiven Netto-Investitionen deutscher Unternehmen nur noch bei 0,2 Prozent des BIP liegen, gegenüber zwei Prozent vor der Finanzkrise und 23 Prozent in China. Als Ursachen nennt er um bis zu 250 Prozent höhere Standortkosten sowie Genehmigungsverfahren, die mit rund 200 Tagen deutlich länger dauern als in den USA (60 Tage) oder China (40 Tage).

Warum verklagen Deutsche Bank, HVB und Commerzbank den Industriekonzern Linde?

Die drei Banken hatten für ein mittlerweile geplatztes Russland-Projekt von Linde gebürgt und fordern nun im Streit um hunderte Millionen Euro dieses Geld von dem Industriegase-Konzern zurück.

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Hallo, hier ist Leo von Wirtschaft im Fokus. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute schauen wir auf einen Tag, an dem sich geopolitische Spannungen, Rekordsummen für Start-ups und ziemlich ernüchternde Zahlen zur deutschen Investitionslust die Klinke in die Hand geben. Fangen wir dort an, wo die Märkte gerade besonders nervös reagieren. Der Dax hat sich zum Wochenstart erstaunlich robust gezeigt. Nach einem kurzen Rutsch pendelte er sich bei rund 25.100 Punkten wieder leicht im Plus ein. Das ist deshalb bemerkenswert, weil in Asien zur gleichen Zeit die Kurse ordentlich einbrachen, vor allem in Südkorea und Japan, wo Anleger bei Halbleiterwerten Kasse gemacht haben. Der Auslöser für die Unruhe liegt im Nahen Osten. Erneute nächtliche US-Angriffe auf den Iran haben die vierte Eskalationswelle im Konflikt ausgelöst, und das hat sofort Folgen für die Ölpreise gehabt. Die Sorge, dass die Straße von Hormus als zentrale Öltransportroute beeinträchtigt werden könnte, hat die Preise deutlich nach oben getrieben, zuletzt auf rund 76 Dollar je Barrel. Das ist relevant für uns alle, denn steigende Ölpreise wirken sich am Ende auch auf Tankstellenpreise und Heizkosten aus. An der Börse selbst zeigte sich das Bild gespalten. Werte wie Telekom, BASF und Rheinmetall legten zu, während Infineon als Halbleiterwert und klassische Reisewerte wie Tui und Lufthansa unter Druck gerieten. Auch Hellofresh markierte ein neues Rekordtief, was zeigt, dass nicht jede Marktbewegung nur mit der großen geopolitischen Lage zu tun hat, sondern auch unternehmensspezifische Probleme eine Rolle spielen. Zum Wochenausklang zeigte sich dann ein etwas anderes Bild. Der Dax schloss bei 25.067 Punkten und damit mit einem Wochenverlust von 2,8 Prozent. Für Aufsehen sorgte in Asien der Börsengang des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers SK Hynix an der Nasdaq, der Kurs schoss direkt um 14 Prozent nach oben. Das zeigt, wie groß der Appetit der Investoren auf Chip- und Technologiewerte weiterhin ist, trotz der Nervosität in anderen Marktsegmenten. Bei den deutschen Werten gab es dagegen gemischte Signale. Bayer verlor trotz eines Milliardendeals mit dem Finanzinvestor Apollo zur Stärkung der Kapitaldecke rund 2 Prozent, und Volkswagen büßte ein, weil der Sparplan von Konzernchef Blume bei den Anlegern offenbar nicht überzeugt hat. Positiv aus dem Rahmen fielen Salzgitter und die Deutsche Telekom, beide wurden von JPMorgan hochgestuft. Bleiben wir kurz bei Apollo, denn der Finanzinvestor war heute ziemlich aktiv. Neben dem Einstieg bei Bayer hat er überraschend auch Easyjet übernommen. Solche Bewegungen von großen Private-Equity-Häusern lohnen einen zweiten Blick, weil sie oft zeigen, wo Investoren mittelfristig Wertsteigerungspotenzial sehen, gerade in Branchen, die durch Unsicherheit oder Kostendruck gerade unter Druck stehen. Kommen wir zu einem Thema, das die deutsche Start-up-Szene ordentlich aufgewirbelt hat. Die Münchener Firma Helsing, die sich auf KI-gestützte Verteidigungstechnologie spezialisiert hat, hat eine Finanzierungsrunde über 1,8 Milliarden Dollar abgeschlossen. Das ist nicht nur ein Rekord für europäische Rüstungs-Start-ups, sondern auch die größte Einzelfinanzierung, die ein deutsches Start-up je erhalten hat. Die Bewertung des Unternehmens springt damit auf 18 Milliarden Dollar, Helsing überholt damit Neura Robotics und wird zum wertvollsten Start-up Deutschlands. Zu den Investoren gehören namhafte Häuser wie JP Morgan Chase, Goldman Sachs Alternatives und ein großer kanadischer Pensionsfonds. Helsing hat bereits die ukrainischen Streitkräfte mit Drohnentechnik ausgestattet und arbeitet nun zusätzlich an Unterwasserdrohnen und einem unbemannten Kampfjet. Interessant ist, dass klassische Rüstungsaktien wie Rheinmetall zuletzt eher schwächer liefen, während bei den sogenannten Neo Primes, also jungen, technologiegetriebenen Verteidigungsfirmen wie Helsing oder dem bayerischen Unternehmen Quantum Systems, das Investoreninteresse ungebrochen hoch bleibt. Das zeigt einen Strukturwandel in der Branche, weg von traditionellen Rüstungskonzernen, hin zu softwaregetriebenen Anbietern. Noch spektakulärer, wenn auch mit deutlich mehr Fragezeichen versehen, ist die Finanzierung des KI-Start-ups Recursive Superintelligence. Das Unternehmen der beiden deutschen Forscher Richard Socher und Tim Rocktäschel ist gerade erst wenige Wochen alt, hat aber schon 650 Millionen Dollar von Investoren wie Google Ventures und Nvidia eingesammelt. Die Bewertung liegt bei 4,6 Milliarden Dollar, und das, obwohl es noch kein klar erkennbares Geschäftsmodell gibt. Das macht deutlich, wie viel Kapital derzeit in Richtung KI fließt, fast unabhängig davon, ob schon ein konkretes Produkt existiert. Für Anlegerinnen und Anleger ist das ein zweischneidiges Signal, es zeigt großes Vertrauen in das Potenzial der Technologie, aber eben auch ein gewisses Risiko einer Überhitzung. Während also im Tech- und Verteidigungssektor Milliarden nur so fließen, sieht es beim klassischen deutschen Mittelstand deutlich trüber aus. Eine Umfrage von DZ Bank und BVR liefert einen ziemlich alarmierenden Befund. Nur noch 52 Prozent der deutschen Mittelständler planen, in den kommenden sechs Monaten in den eigenen Betrieb zu investieren. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn dieser Erhebung im Jahr 1995, niedriger sogar als während der Finanzkrise, der Coronapandemie oder der Energiekrise nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Eine aktuelle Befragung der KfW bestätigt den Trend, demnach haben in den vergangenen zwölf Monaten nur 57 Prozent der Unternehmen tatsächlich investiert. Der Ökonom Daniel Stelter ordnet diese Entwicklung in einen größeren Zusammenhang ein und spricht von einem regelrechten Investitionsstreik am Standort Deutschland. Laut einer McKinsey-Studie liegen die produktiven Netto-Investitionen hierzulande nur noch bei 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, vor der Finanzkrise waren es noch zwei Prozent. Zum Vergleich, China kommt derzeit auf 23 Prozent. Als Gründe nennt Stelter vor allem die hohen Standortkosten, die hierzulande bis zu 250 Prozent über denen wichtiger Wettbewerber liegen, sowie extrem lange Genehmigungsverfahren. Im Schnitt dauert ein solches Verfahren in Deutschland rund 200 Tage, in den USA sind es etwa 60, in China nur 40. Zusammen mit der demografischen Entwicklung ergibt das ein Bild, das die Wachstumsperspektiven für die kommenden Jahre deutlich eintrübt. Das ist ein Thema, das uns sicher noch länger begleiten wird, denn ohne Investitionen fehlt am Ende auch die Basis für neue Arbeitsplätze und Wohlstand. Ein weiteres Unternehmensthema betrifft den Industriegase-Konzern Linde. Die Deutsche Bank, die HypoVereinsbank und die Commerzbank verklagen Linde wegen eines geplatzten Russland-Projekts, für das die Banken einst gebürgt hatten. Es geht um mehrere hundert Millionen Euro, die die Institute nun zurückfordern. Solche Fälle erinnern daran, dass die wirtschaftlichen Folgen des Rückzugs aus Russland auch Jahre später noch juristische Nachspiele haben können. International lohnt sich ein Blick nach China. Nach einem eigentlich versöhnlich wirkenden Treffen zwischen dem chinesischen Handelsminister und dem EU-Handelskommissar in Brüssel, bei dem beide Seiten von ausgewogeneren Handelsbeziehungen und einer gemeinsamen Beobachtungsstelle für Handelsströme sprachen, zeigt sich nun ein widersprüchliches Bild. Offenbar hat Peking heimischen Unternehmen untersagt, wichtiges technologisches Know-how ins Ausland weiterzugeben. Das dürfte die Spannungen zwischen Europa und China, die durch massive Jobverluste in der europäischen Industrie ohnehin schon belastet sind, weiter verschärfen. Auch aus der Türkei kommen wenig ermutigende Signale. Während die Inflation hoch bleibt und die Geldpolitik entsprechend restriktiv ist, boomt praktisch nur ein Wirtschaftszweig, die Verteidigungsindustrie. Das zeigt, wie ungleich sich wirtschaftlicher Druck und politische Prioritäten in einem Land verteilen können. Zum Schluss noch ein Blick über den Atlantik. Mit Kevin Warsh steht ein neuer, durchaus umstrittener Fed-Chef bereit, der die US-Notenbank mit teils unkonventionellen Experten reformieren möchte. Solche personellen Weichenstellungen bei der Fed sind immer auch für uns relevant, weil sie mittelfristig die Richtung der amerikanischen Zinspolitik beeinflussen und damit auch auf die globalen Finanzmärkte ausstrahlen. Insgesamt zeigt sich heute ein Tag mit zwei sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Auf der einen Seite ein Kapitalmarkt, der mit Milliardensummen in Rüstungstechnologie und Künstliche Intelligenz nahezu euphorisch reagiert, auf der anderen Seite ein deutscher Mittelstand, der so vorsichtig ist wie nie zuvor, während geopolitische Spannungen im Nahen Osten und im Handelsstreit mit China die Unsicherheit zusätzlich befeuern. Das waren die wichtigsten Themen für heute, von Rekordinvestitionen in Helsing und die KI-Branche über den historischen Investitionstiefstand im deutschen Mittelstand bis hin zu den Nachbeben der Nahost-Eskalation an den Märkten. Ich bin Leo, das war Wirtschaft im Fokus für heute. Schaltet morgen wieder ein, dann schauen wir, wohin sich diese Entwicklungen weiterbewegen. Bis dann, macht's gut.

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