Wirtschaft im Fokus – 28.05.2026
Extreme Hitze, Irankrieg und schwaches Wachstum bedrohen Deutschlands Wirtschaft – während KI, Robotik und Europas Tech-Hubs neue Chancen versprechen. Alle Themen kompakt im Überblick.
In dieser Folge
- 01
Allianz Trade warnt: Extreme Hitze könnte deutsche Wirtschaft bis 2030 über 100 Milliarden Euro kosten
n-tv WirtschaftLaut einer Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade drohen der deutschen Wirtschaft durch wiederkehrende Hitzewellen bis 2030 Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro, da jedes zusätzliche Grad über 30 Grad die Produktivität um etwa 3 Prozent senkt und gleichzeitig die Energiekosten durch erhöhten Kühlbedarf steigen. Allianz-Trade-Chef Milo Bogaerts bezeichnete extreme Hitze als 'strukturellen wirtschaftlichen Schock', der durch sinkende Renditeerwartungen auch künftige Investitionen und damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit bremse. Europa sei historisch auf Kälte ausgelegt und im Vergleich zu den USA oder Asien schlecht auf Hitze vorbereitet, da nur etwa 19 Prozent der europäischen Haushalte über eine Klimaanlage verfügen und viele Gebäude Wärme eher speichern als ableiten.
Original - 02
Physical AI: Investitionschancen jenseits der Chatbots
HandelsblattKünstliche Intelligenz beschränkt sich längst nicht mehr auf textbasierte Chatbots, sondern hält zunehmend Einzug in industrielle Anwendungen – ein Bereich, der als Physical AI bezeichnet wird. Besonders Automobilhersteller gelten derzeit als die größten Anwender dieser Technologie, die KI mit physischen Systemen wie Robotern verbindet. Für Anlegerinnen und Anleger eröffnen sich dadurch neue Investitionsmöglichkeiten abseits der bekannten KI-Unternehmen aus dem Softwarebereich.
Original - 03
Wirtschaftsweise senken Wachstumsprognose auf 0,5 Prozent – Irankrieg als zentrales Risiko
Manager MagazinDer Sachverständigenrat hat seine Konjunkturprognose für Deutschland im Frühjahrsgutachten deutlich nach unten korrigiert und erwartet für das laufende Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent, nachdem im Herbst noch 0,9 Prozent prognostiziert worden waren. Als Hauptursache nennen die Wirtschaftsweisen die Folgen des Irankriegs, der durch die Blockade der Straße von Hormus zu stark gestiegenen Öl-, Gas- und Lebensmittelpreisen geführt hat, was die Kaufkraft der Haushalte und die Industrieproduktion belastet. Für ein Risikoszenario mit weiter steigenden Rohölpreisen rechnen die Experten mit noch schwächerem Wachstum und einer Inflationsrate von bis zu 3,5 Prozent im Jahr 2026, während sie zugleich Reformen in der Kranken- und Pflegeversicherung vorschlagen, um den Anstieg der Sozialbeiträge zu bremsen.
Original - 04
Kleine Tech-Hubs treiben Europa in globalen Technologie-Rankings nach oben
Euronews BusinessEuropa punktet im Global Tech Ecosystem Index 2026 von Dealroom.co vor allem durch Dichte: Der Kontinent beherbergt im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße mehr hochleistungsfähige Tech-Ökosysteme als jede andere Region der Welt, wobei Städte wie Gent, London und Stockholm besonders hervorstechen. London hat sich mit Rekordinvestitionen von 6 Milliarden Euro in KI im Jahr 2025 und 138 Einhörnern als führendes europäisches Tech-Ökosystem auf Platz vier weltweit zurückgemeldet und Paris dabei überholt. Unter den aufstrebenden Standorten gilt Zagreb derzeit als am schnellsten wachsender Tech-Hub in der EU, während auch Städte wie Athen, Sofia und Vilnius in der Kategorie der Rising Stars an Dynamik gewinnen.
Original - 05
Reallöhne in Deutschland steigen im ersten Quartal – Experten warnen vor Trendwende durch Irankrieg
HandelsblattDie Reallöhne der deutschen Arbeitnehmer sind im ersten Quartal 2025 um rund 1,8 Prozent gestiegen, da das Bruttomonatslohnwachstum von 4,1 Prozent die Verbraucherpreissteigerung von 2,2 Prozent übertraf, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit setzt sich ein seit etwa drei Jahren anhaltender Aufwärtstrend fort, der nach dem inflationsbedingten Einbruch im Jahr 2022 eingesetzt hatte. Experten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung warnen jedoch, dass der Irankrieg die Inflation weiter antreiben könnte – im April stieg sie bereits auf 2,9 Prozent –, was die Kaufkraft der Beschäftigten erneut gefährden und die ohnehin schwache Konjunktur zusätzlich belasten würde.
Original - 06
ifo-Report: Ostdeutschlands wirtschaftlicher Aufholprozess in Gefahr
ifo InstitutLaut dem neuen Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026 des ifo Instituts droht die ostdeutsche Wirtschaft trotz gestiegenem Wohlstand den Anschluss an Westdeutschland zu verlieren, da private Investitionen je Einwohner nur etwa drei Viertel des westdeutschen Niveaus erreichen. Verschärft wird die Lage durch den demografischen Wandel: Bis 2035 wird die Zahl der Erwerbspersonen im Osten um rund sieben Prozent sinken, während gut ausgebildete Fachkräfte und Hochschulabsolventen verstärkt in andere Bundesländer abwandern. Studienautor Joachim Ragnitz empfiehlt, deutlich stärker auf Technologietransfer zu setzen, um die strukturelle Innovationsschwäche ostdeutscher Unternehmen zu überwinden und den Rückstand nicht weiter wachsen zu lassen.
Original - 07
Fabrik der Zukunft: Wie KI und Robotik die deutsche Industrie retten könnten
FAZ WirtschaftEine Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) kommt zu dem Ergebnis, dass fortschrittliche KI-Anwendungen und moderne Robotik die deutsche Industrie an der Schwelle eines enormen technologischen Evolutionssprungs stehen lassen, der die schleichende Deindustrialisierung aufhalten könnte. Durch drastisch gesunkene Automatisierungskosten und bis zu 43 Prozent niedrigere Fertigungskosten könnten hochautomatisierte Fabriken Deutschland in einigen Branchen wie der Lebensmittelproduktion sogar wettbewerbsfähiger als China machen und mehr als 700 Milliarden Euro industrieller Wertschöpfung im Land halten. Allerdings mahnen die Experten neben unternehmerischem Engagement auch politische Reformen an, insbesondere eine Lockerung des strengen deutschen Kündigungsschutzes, der die notwendige schnelle Transformation derzeit ausbremse.
Original - 08
Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in China Balance zwischen fairem Wettbewerb und Kooperation
TagesschauBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ist zu Besuch in China, dem wichtigsten Handelspartner Deutschlands mit einem bilateralen Handelsvolumen von 250 Milliarden Euro, und traf dort Handelsminister Wang Wentao, um Themen wie fairen Marktzugang, staatliche Subventionen chinesischer Unternehmen und die eingeschränkte Lieferung von Rohstoffen wie Seltenen Erden anzusprechen. Begleitet von 35 deutschen Wirtschaftsvertretern großer Konzerne wie BASF, Siemens und Airbus sowie Mittelständlern setzt Reiche auf einen kooperativen Ansatz und lehnt eine Eskalation ab, während chinesische Unternehmen den deutschen Markt zunehmend unter Druck setzen. Auf europäischer Ebene mahnen Experten zu einer gemeinsamen Linie, doch während Frankreich, Italien und Spanien härtere Handelsmaßnahmen fordern, plädiert Deutschland weiterhin für einen ausgewogenen Ansatz aus Schutzinstrumenten und Exportoffenheit.
Original - 09
BP-Führungskrise: Rauswurf von Chairman Manifold erschüttert Konzern und Märkte
FAZ WirtschaftDer britische Ölkonzern BP steckt erneut in einer schweren Führungskrise: Chairman Albert Manifold wurde nach nur wenigen Monaten im Amt einstimmig vom Verwaltungsrat entlassen, nachdem ihm unter anderem ein zu dominanter Managementstil und Einmischung in das operative Geschäft von Vorstandschefin Meg O'Neill vorgeworfen wurden. Die BP-Aktie verlor infolge der Nachricht zeitweise neun Prozent an Wert, was einem Börsenwertverfall von rund vier Milliarden Pfund entspricht, und setzt damit eine jahrelange Reihe von Führungsturbulenzen fort, in der der Konzern innerhalb von drei Jahren drei Vorstandschefs und drei Chairmen verschlissen hat. Während O'Neill nun den strategischen Kurswechsel zurück zu fossilen Energieträgern und radikaler Kostensenkung vorantreibt, kündigte der gefeuerte Manifold rechtliche Schritte zur Verteidigung seines Rufes an.
Original - 10
Reiche fordert bei China-Besuch fairen Marktzugang und verlässliche Rohstoffversorgung
Zeit WirtschaftBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat zum Auftakt ihres Chinabesuchs in Peking faire Wettbewerbsbedingungen nach dem Prinzip der Reziprozität sowie verlässliche Zugänge zu kritischen Rohstoffen und Seltenen Erden eingefordert. Die Ministerin knüpfte dabei an die jüngsten Gespräche von Bundeskanzler Friedrich Merz mit Chinas Staatschef Xi Jinping an und reiste in Begleitung einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation, der unter anderem die Vorstandsvorsitzenden von BASF und Thyssenkrupp angehören. Der Besuch findet vor dem Hintergrund eines erheblichen Handelsungleichgewichts statt: Bei einem bilateralen Handelsvolumen von rund 250 Milliarden Euro im vergangenen Jahr importierte Deutschland Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro aus China, während die deutschen Exporte dorthin auf 81,3 Milliarden Euro zurückgingen.
Original
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Allianz Trade warnt: Extreme Hitze könnte deutsche Wirtschaft bis 2030 über 100 Milliarden Euro kosten
n-tv WirtschaftLaut einer Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade drohen der deutschen Wirtschaft durch wiederkehrende Hitzewellen bis 2030 Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro, da jedes zusätzliche Grad über 30 Grad die Produktivität um etwa 3 Prozent senkt und gleichzeitig die Energiekosten durch erhöhten Kühlbedarf steigen. Allianz-Trade-Chef Milo Bogaerts bezeichnete extreme Hitze als 'strukturellen wirtschaftlichen Schock', der durch sinkende Renditeerwartungen auch künftige Investitionen und damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit bremse. Europa sei historisch auf Kälte ausgelegt und im Vergleich zu den USA oder Asien schlecht auf Hitze vorbereitet, da nur etwa 19 Prozent der europäischen Haushalte über eine Klimaanlage verfügen und viele Gebäude Wärme eher speichern als ableiten.
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Physical AI: Investitionschancen jenseits der Chatbots
HandelsblattKünstliche Intelligenz beschränkt sich längst nicht mehr auf textbasierte Chatbots, sondern hält zunehmend Einzug in industrielle Anwendungen – ein Bereich, der als Physical AI bezeichnet wird. Besonders Automobilhersteller gelten derzeit als die größten Anwender dieser Technologie, die KI mit physischen Systemen wie Robotern verbindet. Für Anlegerinnen und Anleger eröffnen sich dadurch neue Investitionsmöglichkeiten abseits der bekannten KI-Unternehmen aus dem Softwarebereich.
Original - 03
Wirtschaftsweise senken Wachstumsprognose auf 0,5 Prozent – Irankrieg als zentrales Risiko
Manager MagazinDer Sachverständigenrat hat seine Konjunkturprognose für Deutschland im Frühjahrsgutachten deutlich nach unten korrigiert und erwartet für das laufende Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent, nachdem im Herbst noch 0,9 Prozent prognostiziert worden waren. Als Hauptursache nennen die Wirtschaftsweisen die Folgen des Irankriegs, der durch die Blockade der Straße von Hormus zu stark gestiegenen Öl-, Gas- und Lebensmittelpreisen geführt hat, was die Kaufkraft der Haushalte und die Industrieproduktion belastet. Für ein Risikoszenario mit weiter steigenden Rohölpreisen rechnen die Experten mit noch schwächerem Wachstum und einer Inflationsrate von bis zu 3,5 Prozent im Jahr 2026, während sie zugleich Reformen in der Kranken- und Pflegeversicherung vorschlagen, um den Anstieg der Sozialbeiträge zu bremsen.
Original - 04
Kleine Tech-Hubs treiben Europa in globalen Technologie-Rankings nach oben
Euronews BusinessEuropa punktet im Global Tech Ecosystem Index 2026 von Dealroom.co vor allem durch Dichte: Der Kontinent beherbergt im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße mehr hochleistungsfähige Tech-Ökosysteme als jede andere Region der Welt, wobei Städte wie Gent, London und Stockholm besonders hervorstechen. London hat sich mit Rekordinvestitionen von 6 Milliarden Euro in KI im Jahr 2025 und 138 Einhörnern als führendes europäisches Tech-Ökosystem auf Platz vier weltweit zurückgemeldet und Paris dabei überholt. Unter den aufstrebenden Standorten gilt Zagreb derzeit als am schnellsten wachsender Tech-Hub in der EU, während auch Städte wie Athen, Sofia und Vilnius in der Kategorie der Rising Stars an Dynamik gewinnen.
Original - 05
Reallöhne in Deutschland steigen im ersten Quartal – Experten warnen vor Trendwende durch Irankrieg
HandelsblattDie Reallöhne der deutschen Arbeitnehmer sind im ersten Quartal 2025 um rund 1,8 Prozent gestiegen, da das Bruttomonatslohnwachstum von 4,1 Prozent die Verbraucherpreissteigerung von 2,2 Prozent übertraf, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit setzt sich ein seit etwa drei Jahren anhaltender Aufwärtstrend fort, der nach dem inflationsbedingten Einbruch im Jahr 2022 eingesetzt hatte. Experten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung warnen jedoch, dass der Irankrieg die Inflation weiter antreiben könnte – im April stieg sie bereits auf 2,9 Prozent –, was die Kaufkraft der Beschäftigten erneut gefährden und die ohnehin schwache Konjunktur zusätzlich belasten würde.
Original - 06
ifo-Report: Ostdeutschlands wirtschaftlicher Aufholprozess in Gefahr
ifo InstitutLaut dem neuen Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026 des ifo Instituts droht die ostdeutsche Wirtschaft trotz gestiegenem Wohlstand den Anschluss an Westdeutschland zu verlieren, da private Investitionen je Einwohner nur etwa drei Viertel des westdeutschen Niveaus erreichen. Verschärft wird die Lage durch den demografischen Wandel: Bis 2035 wird die Zahl der Erwerbspersonen im Osten um rund sieben Prozent sinken, während gut ausgebildete Fachkräfte und Hochschulabsolventen verstärkt in andere Bundesländer abwandern. Studienautor Joachim Ragnitz empfiehlt, deutlich stärker auf Technologietransfer zu setzen, um die strukturelle Innovationsschwäche ostdeutscher Unternehmen zu überwinden und den Rückstand nicht weiter wachsen zu lassen.
Original - 07
Fabrik der Zukunft: Wie KI und Robotik die deutsche Industrie retten könnten
FAZ WirtschaftEine Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) kommt zu dem Ergebnis, dass fortschrittliche KI-Anwendungen und moderne Robotik die deutsche Industrie an der Schwelle eines enormen technologischen Evolutionssprungs stehen lassen, der die schleichende Deindustrialisierung aufhalten könnte. Durch drastisch gesunkene Automatisierungskosten und bis zu 43 Prozent niedrigere Fertigungskosten könnten hochautomatisierte Fabriken Deutschland in einigen Branchen wie der Lebensmittelproduktion sogar wettbewerbsfähiger als China machen und mehr als 700 Milliarden Euro industrieller Wertschöpfung im Land halten. Allerdings mahnen die Experten neben unternehmerischem Engagement auch politische Reformen an, insbesondere eine Lockerung des strengen deutschen Kündigungsschutzes, der die notwendige schnelle Transformation derzeit ausbremse.
Original - 08
Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in China Balance zwischen fairem Wettbewerb und Kooperation
TagesschauBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ist zu Besuch in China, dem wichtigsten Handelspartner Deutschlands mit einem bilateralen Handelsvolumen von 250 Milliarden Euro, und traf dort Handelsminister Wang Wentao, um Themen wie fairen Marktzugang, staatliche Subventionen chinesischer Unternehmen und die eingeschränkte Lieferung von Rohstoffen wie Seltenen Erden anzusprechen. Begleitet von 35 deutschen Wirtschaftsvertretern großer Konzerne wie BASF, Siemens und Airbus sowie Mittelständlern setzt Reiche auf einen kooperativen Ansatz und lehnt eine Eskalation ab, während chinesische Unternehmen den deutschen Markt zunehmend unter Druck setzen. Auf europäischer Ebene mahnen Experten zu einer gemeinsamen Linie, doch während Frankreich, Italien und Spanien härtere Handelsmaßnahmen fordern, plädiert Deutschland weiterhin für einen ausgewogenen Ansatz aus Schutzinstrumenten und Exportoffenheit.
Original - 09
BP-Führungskrise: Rauswurf von Chairman Manifold erschüttert Konzern und Märkte
FAZ WirtschaftDer britische Ölkonzern BP steckt erneut in einer schweren Führungskrise: Chairman Albert Manifold wurde nach nur wenigen Monaten im Amt einstimmig vom Verwaltungsrat entlassen, nachdem ihm unter anderem ein zu dominanter Managementstil und Einmischung in das operative Geschäft von Vorstandschefin Meg O'Neill vorgeworfen wurden. Die BP-Aktie verlor infolge der Nachricht zeitweise neun Prozent an Wert, was einem Börsenwertverfall von rund vier Milliarden Pfund entspricht, und setzt damit eine jahrelange Reihe von Führungsturbulenzen fort, in der der Konzern innerhalb von drei Jahren drei Vorstandschefs und drei Chairmen verschlissen hat. Während O'Neill nun den strategischen Kurswechsel zurück zu fossilen Energieträgern und radikaler Kostensenkung vorantreibt, kündigte der gefeuerte Manifold rechtliche Schritte zur Verteidigung seines Rufes an.
Original - 10
Reiche fordert bei China-Besuch fairen Marktzugang und verlässliche Rohstoffversorgung
Zeit WirtschaftBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat zum Auftakt ihres Chinabesuchs in Peking faire Wettbewerbsbedingungen nach dem Prinzip der Reziprozität sowie verlässliche Zugänge zu kritischen Rohstoffen und Seltenen Erden eingefordert. Die Ministerin knüpfte dabei an die jüngsten Gespräche von Bundeskanzler Friedrich Merz mit Chinas Staatschef Xi Jinping an und reiste in Begleitung einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation, der unter anderem die Vorstandsvorsitzenden von BASF und Thyssenkrupp angehören. Der Besuch findet vor dem Hintergrund eines erheblichen Handelsungleichgewichts statt: Bei einem bilateralen Handelsvolumen von rund 250 Milliarden Euro im vergangenen Jahr importierte Deutschland Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro aus China, während die deutschen Exporte dorthin auf 81,3 Milliarden Euro zurückgingen.
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Hallo, hier ist Leo von Wirtschaft im Fokus. Heute haben wir eine ganze Reihe von Themen auf dem Tisch, die eigentlich alle auf dasselbe hinauslaufen: Die deutsche Wirtschaft steht unter Druck, und gleichzeitig gibt es echte Chancen, wenn man die richtigen Weichen stellt. Lass uns das gemeinsam durchdenken. Fangen wir mit dem an, was gerade die Konjunktur am stärksten belastet. Die Wirtschaftsweisen, also der Sachverständigenrat der Bundesregierung, haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Statt der im Herbst noch erwarteten 0,9 Prozent rechnen sie jetzt nur noch mit 0,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Das klingt nach einer kleinen Zahl, und das ist sie auch. Deutschland kommt einfach nicht richtig in Schwung. Als Hauptgrund nennen die Experten die Folgen des Irankriegs. Die Blockade der Straße von Hormus hat die Öl-, Gas- und Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben. Das trifft Haushalte direkt im Geldbeutel und bremst die Industrieproduktion. Und wenn die Rohölpreise weiter steigen, droht laut den Wirtschaftsweisen sogar eine Inflation von bis zu 3,5 Prozent im Jahr 2026. Das wäre ein echter Rückschlag. Dazu passt, was das Statistische Bundesamt gerade zum Thema Löhne gemeldet hat. Im ersten Quartal 2025 sind die Reallöhne um 1,8 Prozent gestiegen. Das ist erst einmal eine gute Nachricht, denn die Bruttolöhne wuchsen mit 4,1 Prozent deutlich schneller als die Inflation mit 2,2 Prozent. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hatten also tatsächlich mehr in der Tasche. Dieser Aufwärtstrend hält seit rund drei Jahren an, nachdem die Inflation 2022 die Kaufkraft regelrecht aufgefressen hatte. Aber genau hier kommt der Haken. Im April ist die Inflation bereits auf 2,9 Prozent geklettert, und Ökonomen der Hans-Böckler-Stiftung warnen, dass der Irankrieg die Preise weiter antreiben könnte. Wenn die Inflation die Lohnzuwächse wieder überholt, bricht der Aufwärtstrend ab, und der private Konsum, auf den die Wirtschaft dringend angewiesen ist, verliert wieder an Kraft. Ein weiteres strukturelles Problem kommt aus Ostdeutschland. Das ifo Institut hat einen neuen Wettbewerbsreport vorgelegt, und der ist ziemlich ernüchternd. Trotz gestiegenem Wohlstand droht der Osten den Anschluss an den Westen zu verlieren. Private Investitionen je Einwohner liegen dort nur bei etwa drei Vierteln des westdeutschen Niveaus. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Erwerbspersonen bis 2035 um rund sieben Prozent, und gut ausgebildete Fachkräfte wandern in andere Bundesländer ab. Das ifo Institut empfiehlt, viel stärker auf Technologietransfer zu setzen, um die Innovationsschwäche zu überwinden. Ohne gezielte Maßnahmen wächst der Rückstand weiter. Und dann gibt es noch einen Risikofaktor, über den weniger gesprochen wird, der aber langfristig richtig teuer werden könnte: Hitze. Der Kreditversicherer Allianz Trade warnt, dass extreme Hitzewellen die deutsche Wirtschaft bis 2030 über 100 Milliarden Euro kosten könnten, genauer gesagt rund 112 Milliarden Euro. Jedes zusätzliche Grad über 30 Grad senkt die Produktivität um etwa drei Prozent, und gleichzeitig steigen die Energiekosten durch den erhöhten Kühlbedarf. Europa ist historisch auf Kälte ausgelegt, nur rund 19 Prozent der Haushalte haben eine Klimaanlage, viele Gebäude speichern Wärme eher, als sie abzuleiten. Allianz-Trade-Chef Milo Bogaerts nennt das einen strukturellen wirtschaftlichen Schock, der auch Investitionen bremst. Das ist kein Randthema mehr. Doch es gibt auch Seiten, die Hoffnung machen. Eine Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Künstliche Intelligenz und moderne Robotik könnten die deutsche Industrie vor der schleichenden Deindustrialisierung retten. Durch stark gesunkene Automatisierungskosten und bis zu 43 Prozent niedrigere Fertigungskosten könnten hochautomatisierte Fabriken Deutschland in manchen Branchen sogar wettbewerbsfähiger als China machen. Die Rede ist von mehr als 700 Milliarden Euro industrieller Wertschöpfung, die im Land gehalten werden könnten. Allerdings mahnen die Experten auch politische Reformen an, unter anderem beim Kündigungsschutz, der die schnelle Transformation derzeit bremse. Genau in diese Richtung zeigt auch das Thema Physical AI, also Künstliche Intelligenz, die nicht nur Texte schreibt, sondern in physischen Systemen wie Robotern steckt. Automobilhersteller gelten hier als die größten Anwender. Das ist ein Bereich, der in den nächsten Jahren stark wachsen dürfte, und der zeigt, dass KI weit mehr ist als Chatbots. Und auf europäischer Ebene gibt es ebenfalls ermutigende Signale. Europa schneidet im Global Tech Ecosystem Index 2026 besser ab als erwartet, nicht wegen einzelner Giganten, sondern wegen der Dichte an leistungsfähigen Tech-Standorten. London hat sich mit Rekordinvestitionen von sechs Milliarden Euro in Künstliche Intelligenz im Jahr 2025 auf Platz vier weltweit zurückgemeldet. Aber auch kleinere Städte wie Gent, Stockholm oder Zagreb wachsen dynamisch. Das zeigt, dass Europa im Technologiebereich breiter aufgestellt ist, als viele denken. Auf diplomatischer Ebene war diese Woche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in China, dem wichtigsten Handelspartner Deutschlands mit einem bilateralen Handelsvolumen von 250 Milliarden Euro. Das Ungleichgewicht ist dabei enorm: Deutschland importiert Waren im Wert von rund 170 Milliarden Euro aus China, exportiert aber nur für gut 81 Milliarden Euro dorthin. Reiche hat in Peking fairen Marktzugang, verlässliche Rohstoffversorgung und ein Ende der staatlichen Subventionierung chinesischer Konkurrenten gefordert. Begleitet wurde sie von 35 Wirtschaftsvertretern, darunter die Chefs von BASF, Siemens, Thyssenkrupp und Airbus. Ihr Ansatz ist kooperativ, keine Eskalation, aber klare Erwartungen. Das ist ein Balanceakt, der zeigt, wie abhängig Deutschland von China ist und wie schwierig es ist, diese Abhängigkeit zu reduzieren, ohne wichtige Absatzmärkte zu gefährden. Und zum Schluss noch ein Blick auf BP. Der britische Ölkonzern erlebt gerade eine weitere Führungskrise. Chairman Albert Manifold wurde nach wenigen Monaten im Amt entlassen, die Aktie verlor zeitweise neun Prozent, was rund vier Milliarden Pfund an Börsenwert entspricht. In drei Jahren hat BP drei Vorstandschefs und drei Chairmen verschlissen. Das ist kein Zufall, sondern ein Zeichen dafür, wie schwierig es für große Energiekonzerne gerade ist, einen klaren strategischen Kurs zu halten, zwischen Energiewende, Kostendruck und Investorenerwartungen. Was man aus all diesen Meldungen mitnehmen kann: Deutschland und Europa stehen an einem Scheideweg. Die Risiken sind real, Konjunkturschwäche, Inflation, Hitze, demografischer Wandel, geopolitische Unsicherheiten. Aber die Chancen durch Technologie, Automatisierung und ein dichtes europäisches Innovationsnetzwerk sind ebenfalls vorhanden. Die entscheidende Frage ist, ob die richtigen Weichen schnell genug gestellt werden. Das waren heute die wichtigsten Themen: schwaches Wachstum durch den Irankrieg und steigende Preise, Reallöhne im Plus aber unter Druck, Ostdeutschland droht den Anschluss zu verlieren, Hitze als unterschätzter Wirtschaftsfaktor, und gleichzeitig echte Chancen durch KI, Robotik und Europas Tech-Stärke. Morgen schauen wir wieder, was die Wirtschaft bewegt. Bis dann.
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