ETF-Boom, Rentenreform und Wohngeldkürzungen im Fokus (26.06.2026)
ETFs für Einsteiger, Rentenreform, Wohngeldkürzungen – heute dreht sich alles ums Geld: sparen, anlegen und absichern. Was du jetzt wissen musst!
In dieser Folge
- 01
ETF-Einsteiger: Zehn Erkenntnisse aus dem ersten Kontakt mit börsengehandelten Indexfonds
HandelsblattEin Handelsblatt-Autor beschäftigt sich erstmals intensiv mit ETFs als Instrument der Altersvorsorge und teilt seine dabei gewonnenen Erkenntnisse. Er stellt fest, dass das Konzept der Exchange Traded Funds zwar theoretisch als unkomplizierte Anlageform gilt, in der praktischen Umsetzung jedoch mehr Komplexität birgt als zunächst erwartet. Der Erfahrungsbericht richtet sich an Anlageeinsteiger und beleuchtet die wichtigsten Lernpunkte rund um den Einstieg in die ETF-basierte Geldanlage.
Original - 02
Rentenkommission legt Empfehlungen vor: vzbv fordert staatliches Standardprodukt für Altersvorsorge
VerbracuerzentraleDie Rentenkommission hat der Bundesregierung ihre Empfehlungen zur Zukunft der Altersvorsorge übergeben, darunter den Einstieg in eine Kapitalrente mit einem öffentlichen Vorsorgefonds. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, begrüßt das Paket und fordert, dass die Bundesregierung das bereits beschlossene staatliche Standardprodukt schnell umsetzt – als dringend benötigte Alternative zur gescheiterten Riester-Rente für rund 15 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher. Als verständliche Orientierungsgröße für die Altersvorsorgeplanung spricht sich der vzbv zudem für eine Zielmarke von 70 Prozent des letzten Nettogehalts aus, damit Verbraucherinnen und Verbraucher besser einschätzen können, ob ihre Rente zur Sicherung des Lebensstandards ausreicht.
Original - 03
Boom bei aktiven ETFs: Wachstumsmarkt mit offenen Fragen für Anleger
HandelsblattAktive ETFs erleben derzeit einen rasanten Aufschwung: Laut dem Analysehaus Fondsconsult stehen deutschen Anlegern bereits mehr als 300 solcher Produkte zur Verfügung – mehr als doppelt so viele wie noch Ende 2024. Große Asset-Manager wie Allianz Global Investors wollen das Segment weiter ausbauen und sehen darin eine bedeutende Wachstumschance. Dennoch stellen sich für Anleger grundlegende Fragen, etwa wie aktiv diese Produkte tatsächlich gemanagt werden und ob sie sich bislang als lohnende Investition erwiesen haben.
Original - 04
Galeria erhält Millionenkredit, plant aber weitere Filialschließungen
SpiegelDie angeschlagene Warenhauskette Galeria sichert sich eine neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro, bereitgestellt von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers und abgesichert durch die Warenbestände des Unternehmens. Das Geld ist an einen dreijährigen Sanierungsplan geknüpft, der unter anderem die Überprüfung aller 83 Standorte auf ihre Rentabilität vorsieht – rund 30 Filialen gelten dabei als besonders gefährdet. Zunächst soll mit dem neuen Kapital ein bestehender Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital in Höhe von etwa 80 Millionen Euro abgelöst werden, während Miteigentümer Bernd Beetz betont, dass zwar der kurzfristige Fortbestand gesichert sei, die Lage für die Kette jedoch weiterhin angespannt bleibe.
Original - 05
Kenfo soll Kapitalrente verwalten: Atomfonds als Vorbild für deutsche Altersvorsorge
SpiegelDer Kenfo, ursprünglich als Fonds zur Finanzierung der nuklearen Entsorgung gegründet, soll künftig auch eine zentrale Rolle bei der Verwaltung der geplanten deutschen Kapitalrente übernehmen. Kenfo-Chefin Mikus signalisierte dabei die Bereitschaft des Fonds, am Aufbau dieser neuen Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge mitzuwirken. Der Fonds gilt aufgrund seiner Erfahrung im langfristigen Kapitalmanagement als mögliches institutionelles Vorbild für das Vorhaben.
Original - 06
Bundesbauministerium plant drastische Wohngeldkürzungen ab 2026
SpiegelDas Bundesbauministerium unter Verena Hubertz (SPD) plant, beim Wohngeld ab 2026 rund 1,5 Milliarden Euro einzusparen, ab 2028 sogar über zwei Milliarden Euro jährlich. Konkret soll die Heizkostenpauschale halbiert, eine geplante Erhöhung zum 1. Januar 2027 gestrichen und die Berechnungsformel zuungunsten der Bezieher verändert werden, wodurch etwa ein Drittel der aktuell Anspruchsberechtigten künftig kein Wohngeld mehr erhalten würde. Als Folge der Kürzungen rechnet der Gesetzentwurf damit, dass bis 2029 rund 164.000 Haushalte auf Grundsicherung oder Sozialhilfe angewiesen sein werden, was Mehrkosten von rund 754 Millionen Euro für Bund und Kommunen verursacht.
Original
- 01
ETF-Einsteiger: Zehn Erkenntnisse aus dem ersten Kontakt mit börsengehandelten Indexfonds
HandelsblattEin Handelsblatt-Autor beschäftigt sich erstmals intensiv mit ETFs als Instrument der Altersvorsorge und teilt seine dabei gewonnenen Erkenntnisse. Er stellt fest, dass das Konzept der Exchange Traded Funds zwar theoretisch als unkomplizierte Anlageform gilt, in der praktischen Umsetzung jedoch mehr Komplexität birgt als zunächst erwartet. Der Erfahrungsbericht richtet sich an Anlageeinsteiger und beleuchtet die wichtigsten Lernpunkte rund um den Einstieg in die ETF-basierte Geldanlage.
Original - 02
Rentenkommission legt Empfehlungen vor: vzbv fordert staatliches Standardprodukt für Altersvorsorge
VerbracuerzentraleDie Rentenkommission hat der Bundesregierung ihre Empfehlungen zur Zukunft der Altersvorsorge übergeben, darunter den Einstieg in eine Kapitalrente mit einem öffentlichen Vorsorgefonds. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, begrüßt das Paket und fordert, dass die Bundesregierung das bereits beschlossene staatliche Standardprodukt schnell umsetzt – als dringend benötigte Alternative zur gescheiterten Riester-Rente für rund 15 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher. Als verständliche Orientierungsgröße für die Altersvorsorgeplanung spricht sich der vzbv zudem für eine Zielmarke von 70 Prozent des letzten Nettogehalts aus, damit Verbraucherinnen und Verbraucher besser einschätzen können, ob ihre Rente zur Sicherung des Lebensstandards ausreicht.
Original - 03
Boom bei aktiven ETFs: Wachstumsmarkt mit offenen Fragen für Anleger
HandelsblattAktive ETFs erleben derzeit einen rasanten Aufschwung: Laut dem Analysehaus Fondsconsult stehen deutschen Anlegern bereits mehr als 300 solcher Produkte zur Verfügung – mehr als doppelt so viele wie noch Ende 2024. Große Asset-Manager wie Allianz Global Investors wollen das Segment weiter ausbauen und sehen darin eine bedeutende Wachstumschance. Dennoch stellen sich für Anleger grundlegende Fragen, etwa wie aktiv diese Produkte tatsächlich gemanagt werden und ob sie sich bislang als lohnende Investition erwiesen haben.
Original - 04
Galeria erhält Millionenkredit, plant aber weitere Filialschließungen
SpiegelDie angeschlagene Warenhauskette Galeria sichert sich eine neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro, bereitgestellt von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers und abgesichert durch die Warenbestände des Unternehmens. Das Geld ist an einen dreijährigen Sanierungsplan geknüpft, der unter anderem die Überprüfung aller 83 Standorte auf ihre Rentabilität vorsieht – rund 30 Filialen gelten dabei als besonders gefährdet. Zunächst soll mit dem neuen Kapital ein bestehender Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital in Höhe von etwa 80 Millionen Euro abgelöst werden, während Miteigentümer Bernd Beetz betont, dass zwar der kurzfristige Fortbestand gesichert sei, die Lage für die Kette jedoch weiterhin angespannt bleibe.
Original - 05
Kenfo soll Kapitalrente verwalten: Atomfonds als Vorbild für deutsche Altersvorsorge
SpiegelDer Kenfo, ursprünglich als Fonds zur Finanzierung der nuklearen Entsorgung gegründet, soll künftig auch eine zentrale Rolle bei der Verwaltung der geplanten deutschen Kapitalrente übernehmen. Kenfo-Chefin Mikus signalisierte dabei die Bereitschaft des Fonds, am Aufbau dieser neuen Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge mitzuwirken. Der Fonds gilt aufgrund seiner Erfahrung im langfristigen Kapitalmanagement als mögliches institutionelles Vorbild für das Vorhaben.
Original - 06
Bundesbauministerium plant drastische Wohngeldkürzungen ab 2026
SpiegelDas Bundesbauministerium unter Verena Hubertz (SPD) plant, beim Wohngeld ab 2026 rund 1,5 Milliarden Euro einzusparen, ab 2028 sogar über zwei Milliarden Euro jährlich. Konkret soll die Heizkostenpauschale halbiert, eine geplante Erhöhung zum 1. Januar 2027 gestrichen und die Berechnungsformel zuungunsten der Bezieher verändert werden, wodurch etwa ein Drittel der aktuell Anspruchsberechtigten künftig kein Wohngeld mehr erhalten würde. Als Folge der Kürzungen rechnet der Gesetzentwurf damit, dass bis 2029 rund 164.000 Haushalte auf Grundsicherung oder Sozialhilfe angewiesen sein werden, was Mehrkosten von rund 754 Millionen Euro für Bund und Kommunen verursacht.
Original
Häufige Fragen
Was sind die häufigsten Überraschungen für ETF-Einsteiger in der Praxis?
Obwohl ETFs theoretisch als unkomplizierte Anlageform gelten, stoßen Einsteiger in der Praxis auf unerwartete Komplexität – etwa bei der Auswahl des richtigen Index, der Entscheidung zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Varianten sowie steuerlichen Fragen. Der erste intensive Kontakt zeigt, dass ein solides Grundverständnis der Funktionsweise unverzichtbar ist, bevor man investiert.
Was empfiehlt die Rentenkommission zur Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland?
Die Rentenkommission empfiehlt der Bundesregierung unter anderem den Einstieg in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge über einen öffentlichen Vorsorgefonds als Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) drängt auf eine schnelle Umsetzung eines staatlichen Standardprodukts als dringend benötigten Ersatz für die gescheiterte Riester-Rente – für rund 15 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher.
Welche Zielmarke empfiehlt der vzbv für eine ausreichende Altersvorsorge?
Der Verbraucherzentrale Bundesverband spricht sich für eine Zielmarke von 70 Prozent des letzten Nettogehalts als Orientierungsgröße für die Altersvorsorgeplanung aus. Diese Kennzahl soll Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, konkret einzuschätzen, ob ihre zu erwartende Rente zur Sicherung des bisherigen Lebensstandards ausreicht.
Was unterscheidet aktive ETFs von klassischen Index-ETFs, und lohnen sie sich für Anleger?
Aktive ETFs werden – anders als klassische Index-ETFs – von Fondsmanagern aktiv gesteuert und verfolgen das Ziel, den Markt zu übertreffen, sind dabei aber börsengehandelt und oft günstiger als traditionelle aktive Fonds. Ob sie sich als lohnende Investition erweisen, ist jedoch noch offen: Das Segment wächst rasant auf über 300 Produkte in Deutschland, belastbare Langzeit-Performance-Daten fehlen aber weitgehend.
Ist Galeria durch den neuen Millionenkredit langfristig gerettet?
Der neue Kredit von bis zu 160 Millionen Euro sichert zunächst den kurzfristigen Fortbestand von Galeria, löst aber nicht die strukturellen Probleme der Warenhauskette. Im Rahmen des dreijährigen Sanierungsplans werden alle 83 Standorte auf Rentabilität geprüft, wobei rund 30 Filialen als besonders gefährdet gelten – weitere Schließungen sind daher wahrscheinlich.
Vollständiges Transkript
Transkript ein-/ausblenden
Martin: Willkommen bei Geld und Alltag, ich bin Martin. Heute spreche ich wieder mit Nina, die wie immer die Perspektive der Verbraucherinnen und Verbraucher einbringt. Hallo Nina, schön, dass du dabei bist.
Nina: Hallo Martin, gerne. Es gibt heute einiges zu besprechen, wie ich sehe.
Martin: Ja, wir haben heute ein paar Themen, die sich ums große Ganze drehen – Altersvorsorge, Wohnen, und auch etwas, das viele Einkaufsstraßen betrifft. Fangen wir an mit einem Thema, das viele beschäftigt: ETFs als Altersvorsorge. Das Handelsblatt hat einen Erfahrungsbericht veröffentlicht, in dem ein Autor zum ersten Mal wirklich tief in das Thema eingestiegen ist.
Nina: ETFs – das Kürzel hört man ja ständig. Aber was hat der Autor denn konkret gelernt?
Martin: Genau das ist interessant. Er hat festgestellt, dass ETFs zwar als unkompliziert gelten – also als einfache, kostengünstige Möglichkeit, breit gestreut in Aktien zu investieren – dass aber die praktische Umsetzung mehr Fragen aufwirft als erwartet. Welchen ETF wähle ich? Wie viel investiere ich monatlich? Wie gehe ich mit Kursschwankungen um? Das sind Fragen, die sich erst im echten Tun zeigen.
Nina: Mhm, das kenne ich. Man liest einen Artikel, denkt, alles klar, und dann steht man vor dem Depot und weiß nicht, wo anfangen.
Martin: Genau dieses Gefühl beschreibt er. Und das ist eigentlich der Kern: ETFs sind kein Selbstläufer. Man muss sich zumindest einmal grundlegend damit befassen – was ist ein Indexfonds, wie funktioniert ein Sparplan, was bedeutet Kostenquote. Das ist lernbar, aber es braucht einen ersten Schritt.
Nina: Und für die Altersvorsorge ist das dann wirklich eine Option?
Martin: Es ist eine Möglichkeit, die viele Menschen nutzen. Aber wie immer gilt: Das hängt von der persönlichen Situation ab – Anlagehorizont, finanzielle Puffer, Risikobereitschaft. Wer sich unsicher ist, sollte sich unabhängig beraten lassen, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale.
Nina: Gut, das ist wichtig zu sagen. Kein Produkt passt für alle.
Martin: Genau. Und damit sind wir eigentlich schon beim nächsten Thema, das direkt anschließt: Die Rentenkommission hat der Bundesregierung ihre Empfehlungen zur Zukunft der Altersvorsorge übergeben. Und der Verbraucherzentrale Bundesverband hat sich dazu klar positioniert.
Nina: Was fordern die da konkret?
Martin: Der vzbv, also der Verbraucherzentrale Bundesverband, begrüßt das Paket grundsätzlich. Besonders wichtig ist ihnen, dass das bereits beschlossene staatliche Standardprodukt für die Altersvorsorge schnell kommt. Die Idee dahinter: ein einfaches, transparentes, staatlich organisiertes Vorsorgeprodukt – als Alternative zur Riester-Rente, die bekanntlich viele Menschen enttäuscht hat.
Nina: Riester – da war doch was. Das war für viele nicht das, was versprochen wurde.
Martin: Richtig. Rund 15 Millionen Menschen haben Riester-Verträge, viele davon mit mäßigen Ergebnissen. Der vzbv will jetzt, dass die Bundesregierung nicht wieder Jahre verstreichen lässt. Und sie haben auch eine konkrete Orientierungsgröße ins Spiel gebracht: 70 Prozent des letzten Nettogehalts als Zielmarke für die Rente.
Nina: 70 Prozent – das klingt erst mal viel. Was bedeutet das für jemanden, der heute, sagen wir, 2.500 Euro netto verdient?
Martin: Dann wäre das Ziel, im Alter auf rund 1.750 Euro im Monat zu kommen – aus allen Quellen zusammen, also gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorge, private Ersparnisse. Das ist eine Orientierung, keine Garantie. Aber der Punkt des vzbv ist: Ohne eine solche Zielmarke wissen viele Menschen gar nicht, ob sie auf Kurs sind oder ob sie eine Lücke haben.
Nina: Das leuchtet ein. Eine Zahl, an der man sich orientieren kann. Das fehlt vielen wirklich.
Martin: Und in diesem Zusammenhang gibt es auch eine interessante institutionelle Entwicklung. Der Kenfo – das ist ein Fonds, der ursprünglich gegründet wurde, um die Kosten der nuklearen Entsorgung in Deutschland langfristig zu finanzieren – soll künftig auch eine Rolle bei der geplanten Kapitalrente spielen.
Nina: Ein Atomfonds als Vorbild für die Altersvorsorge? Das klingt erstmal ungewöhnlich.
Martin: [laughs] Der Name klingt sperrig, aber die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Der Kenfo verwaltet Milliarden über sehr lange Zeiträume, mit klarer Struktur und ohne kurzfristigen Renditedruck. Die Chefin des Fonds hat signalisiert, dass man bereit wäre, beim Aufbau dieser neuen kapitalgedeckten Altersvorsorge mitzuwirken. Es geht also darum: Wer verwaltet das Geld der Bürgerinnen und Bürger, wenn ein staatliches Vorsorgeprodukt kommt?
Nina: Und das wäre dann nicht eine Bank oder ein Versicherer, sondern eine staatlich organisierte Stelle?
Martin: So die Idee. Ob und wie das kommt, ist noch offen. Aber es zeigt, dass die Diskussion konkret wird. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das relevant, weil es die Frage beantwortet: Wem vertraue ich mein Geld für die Rente an?
Nina: Das ist tatsächlich eine der zentralen Fragen bei dem ganzen Thema.
Martin: Kommen wir zu einem anderen Thema – aktive ETFs. Das klingt wie ein Widerspruch, oder?
Nina: Ja, ich dachte, ETFs sind per Definition passiv, also sie bilden einfach einen Index nach.
Martin: Das ist der klassische ETF. Aber es gibt inzwischen auch aktiv gemanagte ETFs – also Fonds, die zwar an der Börse gehandelt werden wie ein klassischer ETF, bei denen aber ein Fondsmanager aktiv entscheidet, welche Wertpapiere drin sind. Laut dem Analysehaus Fondsconsult gibt es inzwischen über 300 solcher Produkte in Deutschland, mehr als doppelt so viele wie noch Ende 2024.
Nina: Das ist ein starkes Wachstum. Aber was bedeutet das für jemanden, der einfach nur vorsorgen will?
Martin: Gute Frage. Der Unterschied zu klassischen ETFs ist wichtig: Aktive ETFs können teurer sein, weil jemand aktiv entscheidet. Und die entscheidende Frage ist: Rechtfertigt die Leistung die Kosten? Das ist bislang oft schwer zu beurteilen, weil viele dieser Produkte noch sehr neu sind. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten genau hinschauen, was drinsteckt und was es kostet.
Nina: Also nicht einfach davon ausgehen, dass ETF gleich ETF ist.
Martin: Genau das ist der Punkt. Der Begriff ETF allein sagt nichts mehr über die Kosten oder die Strategie. Da lohnt sich ein zweiter Blick.
Nina: Gut zu wissen. Was ist mit Galeria? Da war doch auch was?
Martin: Ja, und das betrifft viele Menschen ganz direkt – als Kundinnen und Kunden, aber auch als Beschäftigte. Galeria hat eine neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro gesichert, bereitgestellt von einer US-Investmentgesellschaft. Das klingt erstmal nach Rettung.
Nina: Aber?
Martin: Aber das Geld ist an einen Sanierungsplan geknüpft. Und der sieht vor, alle 83 Standorte auf ihre Rentabilität zu überprüfen. Rund 30 Filialen gelten als besonders gefährdet. Der kurzfristige Fortbestand ist gesichert, aber die Lage bleibt angespannt – das hat auch Miteigentümer Bernd Beetz selbst so formuliert.
Nina: Das heißt für Kundinnen und Kunden: Nicht sicher, ob die Filiale in ihrer Stadt bleibt.
Martin: So ist es. Wer Gutscheine oder Geschenkgutschriften hat, sollte die zeitnah einlösen – das ist generell ein kluger Rat bei Unternehmen in einer solchen Lage. Und wer dort beschäftigt ist, sollte sich über seine Rechte informieren, zum Beispiel bei der Gewerkschaft oder einer Beratungsstelle.
Nina: [sighs] Das ist für die Beschäftigten natürlich eine belastende Situation.
Martin: Absolut. Und jetzt zum letzten Thema heute – und das ist eines, das direkt ins Portemonnaie geht: Das Bundesbauministerium plant, beim Wohngeld ab 2026 deutlich zu kürzen.
Nina: Wohngeld – das ist der staatliche Zuschuss zur Miete für Menschen mit niedrigen Einkommen, richtig?
Martin: Genau. Und die Pläne sind erheblich. Ab 2026 sollen rund 1,5 Milliarden Euro eingespart werden, ab 2028 sogar über zwei Milliarden Euro jährlich. Konkret: Die Heizkostenpauschale soll halbiert werden, eine geplante Erhöhung Anfang 2027 wird gestrichen, und die Berechnungsformel soll verändert werden.
Nina: Was bedeutet das in der Praxis? Wie viele Menschen sind davon betroffen?
Martin: Laut dem Gesetzentwurf würde etwa ein Drittel der aktuell Anspruchsberechtigten künftig kein Wohngeld mehr erhalten. Das sind sehr viele Haushalte – Menschen, die auf diesen Zuschuss angewiesen sind, um ihre Miete zu stemmen.
Nina: Ein Drittel – das ist massiv. Und was passiert mit diesen Menschen dann?
Martin: Der Gesetzentwurf geht selbst davon aus, dass bis 2029 rund 164.000 Haushalte in die Grundsicherung oder Sozialhilfe rutschen werden. Was wiederum Mehrkosten von fast 754 Millionen Euro für Bund und Kommunen bedeutet. Das heißt, ein Teil der Einsparungen beim Wohngeld wird an anderer Stelle wieder ausgegeben.
Nina: Das klingt nach einer Verschiebung, nicht nach einer echten Einsparung.
Martin: So sehen das viele Kritikerinnen und Kritiker. Für betroffene Haushalte ist das eine sehr konkrete Bedrohung. Wer heute Wohngeld bezieht, sollte die Entwicklung im Blick behalten – die Pläne müssen noch durch das Gesetzgebungsverfahren, aber die Richtung ist klar.
Nina: Gibt es etwas, was man als Betroffener jetzt tun kann?
Martin: Informieren, vor allem. Die Verbraucherzentralen und Mietervereine beobachten das genau. Und wer unsicher ist, ob er Anspruch auf andere Leistungen hätte, sollte das prüfen lassen – zum Beispiel Wohngeld, Bürgergeld oder ergänzende Sozialleistungen. Das ist komplex, aber es gibt Beratungsangebote.
Nina: Gut, dass man das weiß. Denn viele Menschen beantragen solche Leistungen gar nicht, weil sie nicht wissen, dass sie Anspruch hätten.
Martin: Das stimmt leider. Und damit kommen wir zum Schluss der heutigen Folge. Was haben wir heute besprochen? ETFs als Einstieg in die Altersvorsorge – lernbar, aber nicht ohne Aufwand. Die Rentenkommission empfiehlt eine Kapitalrente mit staatlichem Standardprodukt, der vzbv fordert schnelle Umsetzung und eine klare Zielmarke von 70 Prozent des letzten Nettogehalts. Der Kenfo könnte eine Rolle als Verwalter spielen. Aktive ETFs boomen, aber der Begriff ETF allein sagt nichts mehr über Kosten und Strategie. Galeria sichert sich frisches Kapital, aber rund 30 Filialen sind gefährdet. Und beim Wohngeld drohen ab 2026 erhebliche Kürzungen, von denen ein Drittel aller Bezieher betroffen sein könnte. Danke fürs Zuhören, und bleibt informiert.
Nina: Ja, danke Martin. Besonders das Wohngeld-Thema und die Altersvorsorge – das sind Dinge, die wirklich viele direkt betreffen. Bis zum nächsten Mal.
Vorlage für die Sprachsynthese. Kleinere Abweichungen zur Audio-Datei möglich.
Fehler gefunden?
Die Pipeline ist automatisiert — gelegentliche Fehler passieren. Wir korrigieren auf Hinweis. Mehr Details unter Korrekturen.
corrections@login-online.com